Palmölfreie Seife: Warum ich auf Palmöl verzichte

Palmöl steckt in fast allem — auch in den meisten handelsüblichen Seifen. In meinen Seifen findest du keinen Tropfen davon. Warum das eine bewusste Entscheidung ist, erzähle ich dir hier.

Palmölfreie Naturseifen — die handgemachte Kollektion von All Senses aus Wien

Palmöl ist in fast allem: in Schokolade, in Margarine, in Shampoo — und in den meisten handelsüblichen Seifen. Es ist billig, ergiebig und technisch praktisch. Und trotzdem verwende ich in keiner meiner Seifen auch nur einen Tropfen davon.

Warum Palmöl problematisch ist

Für den Anbau von Ölpalmen werden riesige Flächen tropischen Regenwalds gerodet — vor allem in Indonesien und Malaysia. Die Folgen sind bekannt: Lebensräume für Orang-Utans, Tiger und unzählige andere Arten verschwinden. Moore werden trockengelegt und brennen, was enorme Mengen CO₂ freisetzt. Und die Menschen vor Ort arbeiten oft unter miserablen Bedingungen.

Es gibt zertifiziertes, nachhaltiges Palmöl — RSPO zum Beispiel. Aber auch diese Zertifizierung ist umstritten, und sie löst das Grundproblem nicht: die Abhängigkeit von einer Zutat, die auf Kosten von Ökosystemen produziert wird.

Meine Entscheidung

Als ich angefangen habe, meine Rezepturen zu entwickeln, war eine Sache von Anfang an klar: Palmöl kommt nicht rein. Nicht, weil es in der Seife schlecht wäre — es macht Seife sogar hart und gut schäumend. Sondern weil ich mich bewusst dagegen entscheide, etwas zu verwenden, dessen Herstellung ich nicht vertreten kann.

Was ich stattdessen verwende

Die Härte und den Schaum, den Palmöl in einer Seife liefern würde, bekomme ich durch andere Fette. Kokosöl sorgt für den üppigen, cremigen Schaum und macht die Seife fest. Sheabutter bringt Pflege und eine seidige Textur. Olivenöl ist die Basis in fast jeder meiner Rezepturen — es macht die Seife mild und nährend. Rizinusöl stabilisiert den Schaum. Und in manchen Seifen verwende ich Rindertalg — ein traditionelles Seifenfett, das eine besonders harte, langlebige Seife ergibt. Steirisches Kürbiskernöl oder Mohnöl bringen zusätzliche Pflege in einzelne Rezepturen.

Es braucht etwas mehr Experimentieren, um die richtige Balance ohne Palmöl zu finden. Aber das Ergebnis überzeugt mich jeden Tag aufs Neue.

Verstecktes Palmöl erkennen

Palmöl taucht auf Zutatenlisten oft unter anderen Namen auf. Wenn du palmölfreie Kosmetik kaufen möchtest, lohnt sich ein Blick auf die INCI-Liste — die Liste der Inhaltsstoffe. Diese Begriffe deuten auf Palmöl hin: Sodium Palmate, Sodium Palm Kernelate, Palmitic Acid, Elaeis Guineensis Oil und Palm Kernel Oil. Sobald einer dieser Namen auftaucht, steckt mit großer Wahrscheinlichkeit Palmöl drin.

Warum das nicht selbstverständlich ist

Ich beschäftige mich seit mehr als zehn Jahren mit dem, was in Kosmetikprodukten steckt. Palmöl ist der einfache Weg. Es ist das günstigste pflanzliche Fett weltweit, und es hat technisch gute Eigenschaften in der Seife. Darauf zu verzichten bedeutet höhere Rohstoffkosten und mehr Aufwand in der Rezepturentwicklung — allein die ersten fünf Monate waren intensiver Arbeit an Rezepturen gewidmet — und ich verfeinere sie bis heute weiter. Aber manche Entscheidungen trifft man nicht, weil sie einfach sind — sondern weil sie richtig sind.

Alle zehn Seifen meiner Kollektion sind palmölfrei. Das ist keine Marketingaussage, sondern eine Grundsatzentscheidung, die in jeder einzelnen Rezeptur steckt — von der ersten Berechnung bis zum fertigen Stück.

Was handgemachte Naturseife sonst noch von Industrieseife unterscheidet, habe ich in einem eigenen Beitrag aufgeschrieben: Naturseife vs. Industrieseife. Und wenn dich interessiert, wie aus diesen Ölen überhaupt Seife wird, erkläre ich das in Was ist Kaltverseifung? In meinen häufigen Fragen findest du außerdem Antworten zu Inhaltsstoffen, veganen Seifen und Pflege.

Häufige Fragen zu palmölfreier Seife

Sind alle Seifen von All Senses palmölfrei?

Ja. Alle zehn Seifen meiner Kollektion sind palmölfrei — ohne Ausnahme. Statt Palmöl verwende ich Olivenöl, Kokosöl, Sheabutter, Rizinusöl und steirisches Kürbiskernöl, in manchen Rezepturen auch Rindertalg.

Wie erkenne ich verstecktes Palmöl auf der Inhaltsliste?

Palmöl steht selten als „Palmöl" auf der INCI-Liste. Achte auf Begriffe wie Sodium Palmate, Sodium Palm Kernelate, Palmitic Acid, Elaeis Guineensis Oil oder Palm Kernel Oil — sie weisen auf Palmöl hin.

Schäumt palmölfreie Seife genauso gut?

Ja. Den üppigen Schaum, den Palmöl liefern würde, bekomme ich durch Kokosöl, und Rizinusöl stabilisiert ihn zusätzlich. Es braucht etwas mehr Experimentieren in der Rezeptur, aber das Ergebnis steht einer Seife mit Palmöl in nichts nach.

Beatrix Fodor-Kovács

Beatrix Fodor-Kovács

Seifensiederin & Gründerin, All Senses Seifenmanufaktur

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