Palmölfreie Seife: Warum ich auf Palmöl verzichte

Palmöl steckt in fast allem — auch in den meisten handelsüblichen Seifen. In meinen Seifen findest du keinen Tropfen davon. Warum das eine bewusste Entscheidung ist, erzähle ich dir hier.

Palmölfreie Naturseifen — die handgemachte Kollektion von All Senses aus Wien

Palmöl ist in fast allem: in Schokolade, in Margarine, in Shampoo — und in den meisten handelsüblichen Seifen. Es ist billig, ergiebig und technisch praktisch. Und trotzdem verwende ich in keiner meiner Seifen auch nur einen Tropfen davon.

Warum Palmöl problematisch ist

Für den Anbau von Ölpalmen werden riesige Flächen tropischen Regenwalds gerodet — vor allem in Indonesien und Malaysia. Die Folgen sind bekannt: Lebensräume für Orang-Utans, Tiger und unzählige andere Arten verschwinden. Moore werden trockengelegt und brennen, was enorme Mengen CO₂ freisetzt. Und die Menschen vor Ort arbeiten oft unter miserablen Bedingungen.

Es gibt zertifiziertes, nachhaltiges Palmöl — RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil) zum Beispiel. Die Idee dahinter ist gut: weniger Rodung, bessere Arbeitsbedingungen, transparentere Lieferketten. Aber in der Praxis sind die Überprüfungsmechanismen schwach, Missbrauch ist dokumentiert, und an der grundlegenden Abhängigkeit von einer Zutat, die auf Kosten von Ökosystemen produziert wird, ändert sich wenig. Wenn es sinnvolle Alternativen gibt, sollte man sie nutzen.

Wie diese Entscheidung entstanden ist

Ich beschäftige mich seit mehr als zehn Jahren mit natürlicher Kosmetik — mit Inhaltsstoffen, Zertifizierungen, Produktionsweisen. Palmöl war dabei immer ein Thema. Als ich im Herbst 2025 angefangen habe, meine eigenen Seifenrezepturen zu entwickeln, war klar: das kommt nicht rein.

Was dann folgte, waren fünf intensive Monate: mehr als 20 Testchargen, viele Messungen, einiges an verschüttetem Laugenwasser und eine Menge Notizen. Eine palmölfreie Seife, die gut schäumt, lange hält und sich gut anfühlt, ist kein Selbstläufer. Palmöl erleichtert die Arbeit — es macht Seife hart, gibt ihr Struktur, verhält sich verlässlich. Ohne Palmöl muss man die Balance aus anderen Fetten finden, und das braucht Zeit.

Inzwischen habe ich zehn Seifen, die alle ohne Palmöl auskommen. Jede hat eine eigene Rezeptur, abgestimmt auf ihren Duft, ihre Textur und ihre Wirkung. Die Entscheidung gegen Palmöl hat mich zu besseren Rezepturen geführt, weil sie mich gezwungen hat, jedes einzelne Fett wirklich zu verstehen.

Die Öle und Fette, die ich stattdessen verwende

Wenn Palmöl wegfällt, braucht man mehrere Zutaten, die zusammen das leisten, was Palmöl allein tun würde: Härte, Schaum, Pflege. Das ist eigentlich kein Nachteil — es macht die Rezeptur interessanter. Hier sind die Grundzutaten meiner Seifen:

Kokosöl ist in fast allen meinen Seifen der Hauptlieferant für Schaum und Festigkeit. Es verseift schnell und gibt der Seife eine gute Grundstruktur. Der einzige Haken: zu viel davon kann austrocknend wirken. Deshalb kombiniere ich es immer mit pflegenden Ölen.

Olivenöl ist die Basis, um die sich bei mir fast alles dreht. Es macht die Seife mild, nährend und gut verträglich. Traditionell ist es das wichtigste Seifenöl der Mittelmeerregion — aus gutem Grund. Seifen mit viel Olivenöl brauchen mehr Reifezeit, werden dafür aber besonders mild und langlebig. Meine Seifen reifen deshalb mindestens vier bis sechs Wochen, bevor sie in den Verkauf gehen.

Rapsöl ist mein regionaler Joker. Es wächst vor unserer Haustür, ist eine nachhaltige Wahl und hat eine ähnliche Fettsäurenzusammensetzung wie Olivenöl — viel Ölsäure, mild zur Haut. In manchen Rezepturen ersetze ich einen Teil des Olivenöls durch österreichisches Rapsöl.

Rizinusöl kommt in kleinen Mengen in fast jede Seife — es ist der natürliche Schaumstabilisator. Es macht den Schaum cremiger und dichter, auch bei hartem Wasser. Wenig davon reicht, aber ohne fehlt etwas.

Sheabutter bringt Cremigkeit und eine seidige Textur. Sie enthält einen hohen Anteil an unverseifbaren Fetten, die in der fertigen Seife als pflegendes Rückfettungsreservoir bleiben. In der Seife spürt man das — sie fühlt sich nach dem Waschen anders an als eine Seife ohne Sheabutter.

Rindertalg klingt für manche überraschend, ist aber ein klassisches Seifenfett mit langer Geschichte. Er macht die Seife besonders hart und langlebig, gibt eine dichte Schaumstruktur und ist sehr mild zur Haut. In meiner Hafergold macht er 43 % der Fettphase aus — das ist auch der Grund, warum diese Seife so außergewöhnlich pflegend und sanft ist. Wer vegane Seife bevorzugt: sechs meiner zehn Seifen kommen ohne tierische Zutaten aus. Drei enthalten Rindertalg, eine — die Goldene Stille — enthält Bienenwachs.

Steirisches Kürbiskernöl und Mohnöl sind meine regionalen Spezialöle. Das Kürbiskernöl kommt in meiner Wacholderwald & Kürbiskern zum Einsatz und macht dort 25 % der Fettphase aus — es bringt nicht nur Linolsäure mit, sondern auch den typisch nussig-erdigen Ton dieser Seife. Mohnöl findet sich in der Mohn & Schatten. Beide Öle haben einen Eigencharakter, der sich auch im fertigen Seifenstück zeigt — sowohl in der Farbe als auch in der Textur.

Was ist mit RSPO-zertifiziertem Palmöl?

Diese Frage bekomme ich manchmal. RSPO ist das wichtigste Zertifizierungssystem für nachhaltig produziertes Palmöl — die Idee ist, dass zertifizierte Plantagen keine neuen Regenwälder roden, bessere Arbeitsbedingungen bieten und ihre Lieferketten offenlegen.

In der Praxis ist die Wirkung begrenzt: Überprüfungsmechanismen sind schwach, Missbrauch ist dokumentiert, und die weltweite Nachfrage nach RSPO-zertifiziertem Palmöl übersteigt das tatsächlich zertifiziert produzierte Angebot. Das Grundproblem — die strukturelle Abhängigkeit von Palmöl — bleibt bestehen.

Für mich ist der klarere Weg: Rohstoffe, bei denen ich nicht zweimal nachdenken muss. Olivenöl, Kokosöl, Raps, Rindertalg aus Europa — Zutaten mit nachvollziehbaren Lieferketten, ohne die strukturellen Probleme des globalen Palmöl-Markts.

Verstecktes Palmöl erkennen

Palmöl taucht auf Zutatenlisten oft unter anderen Namen auf. Wenn du palmölfreie Kosmetik kaufen möchtest, lohnt sich ein Blick auf die INCI-Liste — die standardisierte Inhaltsstoffliste, die auf jedem Kosmetikprodukt angegeben sein muss. Diese Begriffe deuten auf Palmöl hin: Sodium Palmate, Sodium Palm Kernelate, Palmitic Acid, Elaeis Guineensis Oil und Palm Kernel Oil. Sobald einer dieser Namen auftaucht, steckt mit großer Wahrscheinlichkeit Palmöl drin.

Die INCI-Liste für alle meine Seifen ist auf der jeweiligen Produktseite im Shop vollständig angegeben.

Geprüft, bewertet, notifiziert

Weil ich hier von Sicherheit spreche: Alle All Senses Seifen wurden gemäß der EU-Kosmetikverordnung (EG Nr. 1223/2009) durch eine unabhängige Sicherheitsbeurteilung geprüft und im europäischen CPNP-Portal notifiziert. Die Sicherheitsbewertung habe ich im März 2026 abgeschlossen — ich habe mir dabei viel Zeit gelassen, weil ich es richtig machen wollte. Fünf Monate Rezepturentwicklung, mehr als 20 Testchargen, und dann der formale Weg durch die EU-Regulatorik. Erst danach sind die Seifen in den Verkauf gegangen.

Was das für deine Haut bedeutet

Palmöl enthält viel Palmitinsäure — die macht Seife fest und schäumend, bringt aber wenig für die Hautpflege. Wenn ich stattdessen auf Olivenöl, Sheabutter und Rizinusöl setze, verschiebt sich das Verhältnis: mehr Ölsäure, mehr Linolsäure, mehr unverseifbare Anteile aus der Sheabutter, die in der fertigen Seife als natürliches Rückfettungsreservoir bleiben. Nicht als Film auf der Haut, sondern als ein kaum merkliches Gefühl von Weichheit nach dem Waschen.

Das klingt technisch, ist aber an der Haut gut spürbar. Die Rückmeldungen, die ich bekomme, gehen meistens in die gleiche Richtung: keine trockene Haut nach dem Duschen, oft keine Bodylotion mehr nötig. Das deckt sich mit dem, was ich selbst erlebe, seit ich täglich meine eigenen Seifen benutze.

Natürlich ist jede Haut anders. Und Seife ist kein Heilmittel — ich darf keine medizinischen Wirkungen versprechen, und das will ich auch nicht. Was ich sagen kann: Ich habe bei der Rezepturentwicklung jeden Schritt mit meiner eigenen Haut getestet. Mehr als 20 Chargen, über fünf Monate. Das Ergebnis ist eine Seife, hinter der ich stehen kann — palmölfrei, mit natürlichen Rohstoffen, und mit Zutaten, die ich selbst kenne und verstehe.

Alle zehn Seifen meiner Kollektion sind palmölfrei. Das ist keine Marketingaussage, sondern eine Grundsatzentscheidung, die in jeder einzelnen Rezeptur steckt — von der ersten Berechnung bis zum fertigen Stück.

Was handgemachte Naturseife sonst noch von Industrieseife unterscheidet, habe ich in einem eigenen Beitrag aufgeschrieben: Naturseife vs. Industrieseife. Und wenn dich interessiert, wie aus diesen Ölen überhaupt Seife wird, erkläre ich das in Was ist Kaltverseifung? In meinen häufigen Fragen findest du außerdem Antworten zu Inhaltsstoffen, veganen Seifen und Pflege.

Häufige Fragen zu palmölfreier Seife

Sind alle Seifen von All Senses palmölfrei?

Ja. Alle zehn Seifen meiner Kollektion sind palmölfrei — ohne Ausnahme. Statt Palmöl verwende ich Olivenöl, Kokosöl, Sheabutter, Rizinusöl und steirisches Kürbiskernöl, in manchen Rezepturen auch Rindertalg.

Wie erkenne ich verstecktes Palmöl auf der Inhaltsliste?

Palmöl steht selten als „Palmöl" auf der INCI-Liste. Achte auf Begriffe wie Sodium Palmate, Sodium Palm Kernelate, Palmitic Acid, Elaeis Guineensis Oil oder Palm Kernel Oil — sie weisen auf Palmöl hin.

Schäumt palmölfreie Seife genauso gut?

Ja. Den üppigen Schaum, den Palmöl liefern würde, bekomme ich durch Kokosöl, und Rizinusöl stabilisiert ihn zusätzlich. Es braucht etwas mehr Experimentieren in der Rezeptur, aber das Ergebnis steht einer Seife mit Palmöl in nichts nach.

Ist RSPO-Palmöl eine gute Alternative?

RSPO-Zertifizierung hat gute Absichten — weniger Rodung, bessere Arbeitsbedingungen. In der Praxis sind Überprüfungsmechanismen aber schwach und das tatsächlich zertifiziert verfügbare Angebot begrenzt. Ich verwende lieber europäische Rohstoffe mit klaren Lieferketten und verzichte vollständig auf Palmöl.

Beatrix Fodor-Kovács

Beatrix Fodor-Kovács

Seifensiederin & Gründerin, All Senses Seifenmanufaktur

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