Ätherische Öle in Naturseife sind mehr als nur Duft — sie sind der Charakter jeder Seife. In der All Senses Seifenmanufaktur in Wien verwende ich ausschließlich natureine ätherische Öle, destilliert direkt aus Pflanzen. Keine synthetischen Duftstoffe, keine Parfumöle, keine naturidentischen Aromen. Was du riechst, wenn du eine meiner Seifen aufschäumst, kommt direkt aus der Pflanze.
Dieser Beitrag erklärt, was ätherische Öle sind, wie ich sie in der Seifenherstellung verwende — und welche Seifen aus der All Senses Kollektion welchen Duft haben.
Was ätherische Öle eigentlich sind
Ätherische Öle sind hochkonzentrierte Pflanzenauszüge, die durch Wasserdampfdestillation oder Kaltpressung gewonnen werden. Die Mengen, die man braucht, sind enorm: Für einen Liter echtes Lavendelöl braucht man rund 120 bis 150 Kilogramm Lavendelblüten. Für einen Liter Rosenöl über drei Tonnen Rosenblätter. Das erklärt den Preis — und die Intensität.
Ätherische Öle bestehen aus Hunderten von verschiedenen chemischen Verbindungen, die in ihrer Gesamtheit den charakteristischen Duft und die Eigenschaften der Pflanze ausmachen. Synthetische Duftstoffe können einzelne Verbindungen imitieren — aber nie die gesamte Komplexität eines echten ätherischen Öls.
Wie ich ätherische Öle in der Seife verwende
Beim Kaltverseifungsverfahren werden ätherische Öle erst nach dem Trace zugegeben — das ist der Moment, wenn die Seifenmasse eine puddingartige Konsistenz erreicht hat und die chemische Reaktion zwischen Ölen und Lauge bereits weit fortgeschritten ist. Zu diesem Zeitpunkt ist die Lauge größtenteils gebunden, die Masse ist weniger aggressiv, und das ätherische Öl wird gleichmäßig eingearbeitet.
Die Temperatur der Seifenmasse liegt beim Trace meist zwischen 30 und 40 Grad. Das ist wichtig, weil ätherische Öle flüchtig sind — zu viel Wärme und ein Teil des Dufts verfliegt, bevor die Seife fest ist. Deshalb: nach dem Trace zugeben, schnell und gleichmäßig einrühren, in die Form gießen.
In der Reifezeit von sechs Wochen verändert sich der Duft etwas. Frisch gegossene Seife riecht manchmal intensiver oder leicht anders als nach der Reife — die flüchtigen Kopfnoten verfliegen teilweise, die tieferen Herz- und Basisnoten bleiben. Das Ergebnis nach sechs Wochen ist der endgültige Duft der Seife.
Duftnoten — wie Parfümeure denken
Parfümeure unterscheiden drei Ebenen im Duft: Kopfnoten (Top Notes), die sofort wahrnehmbar sind und schnell verfliegen; Herznoten (Heart Notes), die den Hauptcharakter des Dufts ausmachen; und Basisnoten (Base Notes), die lang anhaltend sind und dem Duft Tiefe geben.
In meinen Seifen denke ich beim Zusammenstellen der Duftkomposition ähnlich. Litsea Cubeba ist eine Kopfnote — zitronig-frisch, sofort präsent, aber nicht dauerhaft. Lavendel ist eine Herznote — blumig, beruhigend, der Kern des Dufts. Vetiver und Patchouli sind Basisnoten — erdig, warm, langanhaltend.
Diese Schichtung ist der Grund, warum ein Duft in der Seife beim Aufschäumen anders wirkt als wenn die Seife auf der Seifenschale liegt.
Welche ätherischen Öle ich verwende — alle zehn Seifen
Lavendellicht
Lavendelöl (Lavandula angustifolia) als Hauptduft, Litsea Cubeba für Frische, Vetiver für erdige Tiefe, Patchouli für Wärme. Ein ausgewogener, ruhiger Duft, der sich beim Aufschäumen wunderbar entfaltet. → Lavendellicht im Shop
Minze & Lemongrass
Lemongrass und Pfefferminzöl im Vordergrund — beide klassische Kopfnoten, frisch und wach. Lavendel, Litsea Cubeba und Zedernholz runden ab. Die frischeste Seife meiner Kollektion. → Minze & Lemongrass im Shop
Zirbenluft
Zirbelkieferöl und Fichtennadelöl als Hauptduft, Zedernholz als Basisnote, Vetiver erdig, ein Hauch Lavendel zur Abrundung. Der Duft von österreichischem Wald in kondensierter Form. → Zirbenluft im Shop
Erde & Rauch
Weihrauch, Litsea Cubeba, Süßorangenöl, Vetiver, Patchouli. Meine intensivste Duftkomposition — warm, rauchig, mehrschichtig. Ein Duft, der polarisiert, aber wer ihn mag, kommt immer wieder. → Erde & Rauch im Shop
Schwarze Rose
Rosengeranie (Pelargonium graveolens) — eine zugänglichere Alternative zum extrem teuren echten Rosenöl — kombiniert mit Palmarosa, Lavendel, Zedernholz und Patchouli. Blumig mit Tiefe. → Schwarze Rose im Shop
Abendmalz
Kaffeeöl, Zedernholz, Litsea Cubeba, Vetiver. Der Kaffee ist hier keine Aromabeschreibung — echtes Kaffeeöl ist in der Rezeptur enthalten. Herb, tief, für alle, die keine Blumenseifen mögen.
Wacholderwald & Kürbiskern
Wacholderbeerenöl und Zedernholz — herb, klar, waldig. Kombiniert mit steirischem Kürbiskernöl und gemahlenem Kürbiskern als Peeling.
Mohn & Schatten
Eine zurückhaltende Duftkomposition mit Vetiver und Patchouli. Im Vordergrund steht hier eher der Peeling-Effekt der Mohnsamen und die dunkelgraue Optik durch Aktivkohle.
Goldene Stille
Weihrauch als alleinige Duftnote — elegant, warm, spirituell. Eine der ruhigsten Seifen in der Kollektion, die genau das hält, was ihr Name verspricht.
Hafergold
Keine Duftnote. Hafergold ist die einzige Seife meiner Kollektion ohne ätherische Öle. Für alle, die auf Duftstoffe verzichten möchten — oder müssen. Mehr dazu im Beitrag Naturseife bei empfindlicher Haut.
Warum keine synthetischen Duftstoffe?
Synthetische Duftstoffe sind billiger, stabiler und riechen in der Regel intensiver als ätherische Öle. Aber sie bringen nichts mit außer Geruch. Kein Pflanzenauszug, keine komplexe Verbindungsstruktur, keine natürlichen Inhaltsstoffe.
Ätherische Öle sind teurer und verblassen in der Seife über die Zeit etwas — besonders die leichten Kopfnoten. Aber sie sind echt. Der Duft entfaltet sich beim Aufschäumen natürlicher, weniger aufdringlich. Er begleitet den Moment unter der Dusche, ohne stundenlang auf der Haut zu verbleiben.
Dazu kommt: Ich kann auf der INCI-Liste deklarieren, welches ätherische Öl ich verwendet habe — Lavandula angustifolia Flower Oil, Cymbopogon citratus Herb Oil, Pinus cembra Wood Oil. Bei synthetischen Duftstoffen steht nur „Parfum" — dahinter können Dutzende Verbindungen stecken, von denen einige als potenzielle Allergieauslöser gelten.
Kann man auf ätherische Öle reagieren?
Ja. Ätherische Öle sind natürlich, aber hochkonzentriert. Sie können bei manchen Menschen Reaktionen auslösen, besonders bei direktem Hautkontakt in hoher Konzentration. In der Seife sind die Öle stark verdünnt — und werden nach dem Waschen abgespült. Trotzdem: Wer weiß, dass er auf bestimmte Pflanzen oder Düfte reagiert, sollte die INCI-Liste lesen. Und wenn es gar kein Duft sein soll: Hafergold ist duftstofffrei.
Alle meine ätherischen Öle werden innerhalb der IFRA-Grenzwerte (International Fragrance Association) eingesetzt — das ist die internationale Leitlinie für die sichere Verwendung von Duftstoffen in Kosmetikprodukten. Alle Seifen der All Senses Seifenmanufaktur in Wien sind CPNP-notifiziert nach EU-Kosmetikverordnung — inklusive Sicherheitsbewertung durch eine zertifizierte Fachperson. Wenn du noch weitere Fragen zu Inhaltsstoffen hast, findest du Antworten in meinen häufigen Fragen.
Häufige Fragen
Welche Seife von All Senses ist komplett duftstofffrei?
Hafergold ist die einzige Seife der All Senses Seifenmanufaktur ohne ätherische Öle oder Duftstoffe. Alle anderen neun Seifen enthalten natureine ätherische Öle.
Was ist der Unterschied zwischen ätherischen Ölen und synthetischen Duftstoffen?
Ätherische Öle sind durch Destillation oder Kaltpressung aus Pflanzen gewonnene Konzentrate. Synthetische Duftstoffe sind im Labor hergestellte chemische Verbindungen, die einen Geruch imitieren. In der INCI-Liste erscheinen ätherische Öle unter ihrem Pflanzennamen (z.B. Lavandula angustifolia Flower Oil), synthetische Duftstoffe oft nur als „Parfum".
Verblasst der Duft in Naturseife mit der Zeit?
Ja, ätherische Öle sind flüchtig. In der Seife verblassen vor allem die Kopfnoten über die Zeit. Die tieferen Herz- und Basisnoten (Vetiver, Patchouli, Zedernholz, Weihrauch) halten sich länger. Bei sachgemäßer Lagerung — trocken, kühl, kein direktes Sonnenlicht — bleibt der Duft gut ein bis zwei Jahre erhalten.
Wann werden ätherische Öle bei der Seifenherstellung zugegeben?
Beim Kaltverseifungsverfahren werden ätherische Öle nach dem Trace zugegeben — wenn die Seifenmasse bereits die Pudding-Konsistenz erreicht hat und die chemische Reaktion weit fortgeschritten ist. Zu frühes Zugeben würde die Öle beschädigen oder dazu führen, dass die Masse zu schnell fest wird.
Warum sind synthetische Duftstoffe billiger als ätherische Öle?
Synthetische Duftstoffe werden im Labor hergestellt — ohne landwirtschaftlichen Anbau, ohne aufwendige Destillation. Ätherische Öle erfordern riesige Mengen an Pflanzenmaterial: 150 kg Lavendelblüten für einen Liter Lavendelöl, über 3 Tonnen Rosenblätter für einen Liter Rosenöl. Dieser Aufwand spiegelt sich im Preis.