Was ist eigentlich Superfat?
Warum eine gute Naturseife deine Haut beim Waschen pflegt — und nicht austrocknet.
Superfat (Überfettung) ist der Anteil der Öle in einer handgemachten Naturseife, der bei der Kaltverseifung bewusst unverseift bleibt — und beim Waschen direkt auf der Haut wirkt, statt weggespült zu werden.
Wenn du dich ein bisschen mit handgemachten Naturseifen beschäftigst, stolperst du früher oder später über diesen Begriff: Superfat. Klingt technischer als es ist. Ich erkläre dir, was dahintersteckt — ganz ohne Chemiestudium.
Wie entsteht eine kaltgerührte Seife?
Bei der Cold Process Methode — so heißt das Verfahren, das ich in der All Senses Seifenmanufaktur anwende — werden Öle und Fette mit einer Lauge zusammengebracht. Die Lauge heißt Natriumhydroxid (NaOH), und durch diese Reaktion entsteht Seife. Das ist Chemie, aber ganz simpel gedacht: Öl plus Lauge ergibt Seife plus Glycerin. Das Glycerin bleibt dabei in der Seife — und das ist gut für deine Haut.
Was nach diesem Prozess nicht mehr nachweisbar ist: die Lauge selbst. Fertige Seife enthält keine freie Lauge mehr. Das ist wichtig zu wissen, denn das ist ein häufiges Missverständnis.
Superfat bedeutet: Ein kleiner Teil der Öle bleibt absichtlich unverseift. Also so, wie er ist — nicht in Seife umgewandelt, sondern als reines Öl in der fertigen Seife gebunden.
Zwei Wege — einer davon ist meiner.
Es gibt zwei Wege, das zu erreichen: Man kann von Anfang an etwas weniger Lauge verwenden als rein rechnerisch notwendig wäre — dann bleiben proportional mehr Öle erhalten. Oder man arbeitet am Ende des Seifenprozesses gezielt bestimmte Öle ein, die man besonders erhalten möchte.
Ich verwende in der All Senses Seifenmanufaktur ausschließlich den Laugennachlass. Der Grund ist einfach — ich möchte, dass jedes Öl, das ich in eine Seife einarbeite, auch auf deiner Haut wirken kann. Kein einzelnes Öl soll herausstechen; alle zusammen sollen zur Wirkung beitragen.
Diese unverseiften Öle legen sich beim Waschen auf die Haut. Sie hinterlassen ein weiches, gepflegtes Gefühl und wirken der Austrocknung entgegen. Eine Seife ohne Superfat wäre technisch einwandfrei — aber auch deutlich strenger auf der Haut.
Das Superfat ist also das, was eine handgemachte Naturseife so angenehm macht: diese kleine Reserve an guten Ölen, die direkt auf der Haut landet — statt einfach weggespült zu werden.
Naturseife vs. Industrieseife
Das Glycerin — das natürliche Nebenprodukt beim Verseifen — wird industriell herausgezogen und separat in Lotionen und Cremes verkauft.
Glycerin bleibt vollständig in der Seife. Dazu ein bewusster Anteil freier Öle — eingebaute Pflege bei jedem Waschen.
„Mit Industrieseife zahlst du zweimal: einmal fürs Duschen, einmal fürs Nachpflegen."
Das ist kein Werbeclaim — das ist einfache Logik dahinter. Die freien Öle in einer Naturseife legen sich beim Waschen auf die Haut, hinterlassen ein weiches, gepflegtes Gefühl und helfen, die Haut nicht auszutrocknen.
Welches Superfat passt zu dir?
Der Wert wird in Prozent angegeben und liegt bei den meisten Naturseifen zwischen 3 % und 8 %. Was davon passt, hängt davon ab, für wen die Seife gedacht ist.
Gründlichere Reinigung. Auch für Haarseifen, die kaum rückfetten sollen.
Der Allrounder. Gut für normale bis gemischte Haut — und als Einstieg.
Besonders pflegend. Für empfindliche, trockene, reife Haut — und Kinderhaut.
Ab etwa 8–9 % können die freien Öle schneller ranzig werden. Der richtige Wert ist immer ein Gleichgewicht aus Pflege und Haltbarkeit.
Das ist eine bewusste Entscheidung. Manche Seifen-Macherinnen geben am Ende des Prozesses gezielt besondere Öle dazu — zum Beispiel Sheabutter, Arganöl oder Rosenöl — weil diese hochwertigen Öle unvermischt auf der Haut wirken sollen, anstatt vollständig verseift zu werden.
Bei einem reinen Laugennachlass verteilt sich das Superfat gleichmäßig auf alle verwendeten Öle. Kein einzelnes steht dann besonders im Vordergrund, aber die gesamte Öl-Komposition bleibt anteilig erhalten.
Auf den meisten Seifenverpackungen steht der Superfat-Wert noch nicht drauf. Frag einfach nach — wer seine Seife mit Sorgfalt herstellt, gibt dir gerne Auskunft.
Meine Seifen — und ihr Superfat
In der All Senses Seifenmanufaktur stimme ich den Superfat-Wert bewusst auf die Haut ab, für die ich die Seife gedacht habe.
- Erde & Rauch
- 5 %
- Schwarze Rose
- 5 %
- Lavendellicht
- 5 %
- Mohn & Schatten
- 5 %
- Goldene Stille
- 5 %
- Wacholderwald & Kürbiskern
- 6 %
- Abendmalz
- 7 %
- Minze & Lemongrass
- 7 %
- Zirbenluft
- 7 %
- Hafergold
- 8 %
Hafergold hat mit 8 % den höchsten Wert — sie ist meine Seife für besonders empfindliche und trockene Haut und enthält kein Duftöl. Abendmalz, Minze & Lemongrass und Zirbenluft liegen bei 7 % — etwas pflegender, aber für die meisten Hauttypen gut geeignet. Die 5 %-Seifen sind die Allrounder der Kollektion.
Alle Werte wurden über mehr als 20 Testgüsse in 5 Monaten Entwicklung erarbeitet. Jede Seife der Kollektion ist nach der EU-Kosmetikverordnung (VO 1223/2009) notifiziert und von einer unabhängigen Sicherheitsbeauftragten geprüft.
Welche Seife passt zu dir?
Wenn ich gefragt werde, welche Seife ich empfehle, frage ich immer zuerst: Wie ist deine Haut? Trocknet sie schnell aus? Reagiert sie empfindlich? Oder brauchst du hauptsächlich gründliche Reinigung? Anhand des Superfat-Werts habe ich für jeden Hauttyp eine klare Orientierung.
Diese Haut braucht mehr Pflege beim Waschen. Seifen mit 7–8 % Superfat geben genug Rückfettung, damit sich die Haut danach weich anfühlt.
Besonders für sehr trockene oder reaktive Haut empfehle ich Hafergold — ohne Duftöl, mit dem höchsten Superfat-Wert der Kollektion.
Für die meisten Menschen geeignet. 5–6 % Superfat reinigt gut und pflegt ausreichend — ein angenehmes Gleichgewicht.
5 % Superfat reinigt gründlich ohne zu überfordern. Die Seife pflegt noch, fettet aber nicht zusätzlich.
Ein guter Test: Wasch dein Gesicht am Abend und schau, wie es sich nach 30 Minuten ohne jede Pflege anfühlt. Spannt es oder fühlt es sich eng an? → Trockene Haut. Glänzt die T-Zone, der Rest ist okay? → Mischhaut. Fühlt es sich ganz normal an? → Normale Haut.
Im Zweifel ist man mit 5–6 % gut beraten. Das lässt sich mit der nächsten Seife jederzeit anpassen.
Auf den meisten Verpackungen steht er leider nicht drauf — das ist noch kein Standard. Aber frag einfach nach. Bei den All Senses Seifen findest du den Wert immer in der Produktbeschreibung im Shop — oder du schreibst mir direkt.
Autorin
Beatrix Fodor-Kovács
Gründerin · All Senses Seifenmanufaktur · Wien
Ich entwickle alle Seifen meiner Manufaktur selbst — von der ersten Rezeptidee über mehr als 20 Testgüsse bis zur Sicherheitsbewertung nach EU-Kosmetikverordnung. Seifensieden ist für mich Handwerk mit Haltung: kleine Serien, natürliche Rohstoffe, ehrliche Zutaten.
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