Meine Lieblingsöle: Warum ich genau diese Zutaten verwende

Seife Inhaltsstoffe im Detail: Olivenöl, Kokosöl, Sheabutter, Rizinusöl und mehr — ich erkläre, welche Pflanzenöle in meinen Rezepturen stecken, warum ich sie genau so kombiniere und was jedes einzelne Öl zur fertigen Seife beiträgt.

Seife Inhaltsstoffe: Pflanzenöle für die Kaltverseifung bei der All Senses Seifenmanufaktur in Wien

Pflanzenöle in der Naturseife bestimmen alles, was eine Seife ausmacht: wie hart sie wird, wie viel Schaum sie erzeugt, wie cremig dieser Schaum ist, wie pflegend die Seife auf der Haut wirkt — und wie lange sie hält. Öle sind nicht einfach Zutaten. Sie sind das Fundament der Rezeptur. Gesättigte Fettsäuren wie Laurinsäure und Stearinsäure geben Härte und Schaumvolumen; ungesättigte Fettsäuren wie Ölsäure sorgen für Milde und Pflegewirkung; unverseifbare Anteile — also jene Bestandteile, die nicht mit der Lauge reagieren — bleiben als pflegender Film in der fertigen Seife erhalten. Wer versteht, was Öle tun, kann Seife nicht nur machen, sondern wirklich formulieren.

Ich bin Beatrix Fodor-Kovacs, Gründerin der All Senses Seifenmanufaktur in Wien. Dieser Beitrag ist kein Lehrbuch — aber er ist ein ehrlicher Blick in meine Werkstatt. Ich erkläre dir, welche Öle ich verwende, warum genau diese, und was hinter manchen Entscheidungen steckt, die nicht auf den ersten Blick offensichtlich sind.

Olivenöl — die milde, bewährte Basis

Olivenöl ist in fast jeder meiner Rezepturen die Hauptzutat, und das aus gutem Grund. Es macht die Seife mild, nährend und hautfreundlich. Die aus Olivenöl entstehende Seifensubstanz — Sodium Olivate in der INCI-Nomenklatur — ist eine der ältesten Seifenverbindungen der Welt. Kastilische Seife (Castile Soap), die aus fast 100 % Olivenöl besteht, hat eine jahrtausendealte Tradition in Spanien und Südeuropa. Dieses Wissen ist nicht zufällig entstanden; es hat sich über Generationen bewährt.

Olivenöl erzeugt einen cremigen, relativ feinen Schaum — nicht so üppig wie Kokosöl, aber samtiger und angenehmer auf der Haut. Die Hauptfettsäure ist Ölsäure (ca. 55–85 %), die gut in die Haut einzieht und sie langanhaltend pflegt. Frisch gemachte Olivenölseife kann noch etwas weich und glitschig wirken und braucht länger zum Reifen als gemischte Rezepturen — nach mindestens sechs Wochen Reifezeit aber ist sie sanft, cremig und dauerhaft. Ich halte diese Reifezeit bei allen meinen Seifen ein; manche reifen noch länger, wie ich im Beitrag zur Kaltverseifung genauer beschreibe.

Der hohe Olivenölanteil in meinen Rezepturen ist bewusst gewählt: Er bildet die pflegende, milde Grundlage, auf der ich die anderen Öle aufbaue. Olivenöl allein würde eine zu weiche Seife ergeben — deshalb kommt Kokosöl ins Spiel.

Kokosöl in der Seife: Warum der Anteil entscheidend ist

Kokosöl ist der Schaumerzeuger. Es enthält überwiegend Laurinsäure — eine gesättigte Fettsäure, die bei der Verseifung eine harte, reinigungsstarke Seife mit üppigem Schaum ergibt. Kokosölseife schäumt sogar im Salzwasser, was reines Olivenöl kaum schafft. Für die Dusche, beim Händewaschen, beim täglichen Gebrauch: Wer Schaum möchte, braucht Kokosöl.

Aber — und das ist der entscheidende Punkt — zu viel Kokosöl trocknet die Haut aus. Über 30–35 % Kokosöl in der Rezeptur ergibt eine Seife, die zwar wunderbar schäumt, aber die Haut langfristig strapaziert. Laurinsäure reinigt sehr effektiv — so effektiv, dass sie auch die natürlichen Hautöle abträgt, wenn der Anteil zu hoch ist. Deshalb balanciere ich Kokosöl in jeder Rezeptur sorgfältig mit pflegenden Ölen aus: Olivenöl bringt Milde, Sheabutter bringt Cremigkeit, Rizinusöl stabilisiert den Schaum. Das Zusammenspiel macht die Seife.

Ich habe früh gelernt, dass eine Seife, die beim Einschäumen fantastisch wirkt, nicht automatisch eine gute Seife ist. Es kommt darauf an, wie sich die Haut nach dem Trocknen anfühlt — und das entscheidet die Ölkombination.

Sheabutter — die Pflegebombe

Sheabutter (Butyrospermum Parkii Butter) ist für mich eine unverzichtbare Zutat, in der Seife genauso wie in Pflegeprodukten. In der Seife macht sie den Schaum cremiger, die Seife milder und gibt ihr eine sämige, weiche Qualität, die sich sofort beim Einschäumen zeigt. Was Sheabutter besonders macht: Sie enthält einen hohen Anteil unverseifbarer Bestandteile von etwa 7–11 %. Das sind die Fraktionen — Triterpene, Vitamin E, Phytosterole — die nicht mit Lauge reagieren und deshalb in der fertigen Seife vollständig erhalten bleiben. Sie bilden einen echten Pflegefilm auf der Haut.

Sheabutter spielt in meinen Rezepturen eine doppelte Rolle: Als verseifter Anteil bringt sie Cremigkeit und Textur; als unverseifter Anteil trägt sie zur Pflegewirkung der fertigen Seife bei. Ich verwende sie deshalb gezielt in Rezepturen, die besonders mild sein sollen — zum Beispiel in Seifen für die Körperpflege oder für empfindlichere Haut.

Die Rolle der Überfettung: Welche Öle ich dafür verwende

Überfettung — im Englischen Superfat — ist eines der wichtigsten Konzepte in der Seifenherstellung. Sie bedeutet, dass ich bewusst mehr Öl in die Rezeptur einrechne, als die Lauge verseift. Der überschüssige Ölanteil verbleibt als freie Fettsäuren und Glycerin in der fertigen Seife und wirkt direkt pflegend auf der Haut.

Bei den Seifen der All Senses Seifenmanufaktur liegt die Überfettung je nach Rezeptur zwischen 5 % und 12 %. Das ist bewusst variiert: Reinigungsseifen brauchen eine niedrigere Überfettung (5–7 %), Pflegeseifen profitieren von einer höheren (8–12 %). Hafergold hat die höchste Überfettung in meiner Kollektion.

Welche Öle ich für die Überfettung wähle, ist nicht zufällig. Es macht einen Unterschied, ob der unverseifbare Anteil hauptsächlich aus Kokosöl oder aus Sheabutter und Avocadoöl stammt. Kokosöl hat einen relativ geringen unverseifbaren Anteil — Sheabutter, Avocadoöl und Rizinusöl sind dafür deutlich wertvoller. Ich wähle Öle mit hohem unverseifbaren Anteil gezielt für die Überfettung, weil sie den Pflegeeffekt maximieren. Das ist kein Zufall, sondern Teil der Rezepturarbeit.

Rizinusöl — der Schaumstabilisator

Rizinusöl (Ricinus Communis Seed Oil) verwende ich in kleinen Mengen — meist um die 5 %. Ricinolsäure, die Hauptfettsäure des Rizinusöls, ist in der Natur fast einzigartig: Sie ist eine Hydroxyfettsäure, die den Schaum cremiger, stabiler und langanhaltender macht. Ohne Rizinusöl wäre der Schaum meiner Seifen flacher und weniger angenehm — es ist das Öl, das im Hintergrund wirkt, aber deutlich fehlt, wenn es nicht da ist.

Rizinusöl gilt außerdem als feuchtigkeitsbindend und zieht gut in die Haut ein. In der Überfettung eingesetzt, ist es eines meiner bevorzugten Pflegeöle. Wenig davon reicht — zu viel macht die Seife klebrig.

Kakaobutter — Härte und Luxus

Kakaobutter (Theobroma Cacao Seed Butter) gibt der Seife Härte und eine besondere, leicht schwere Textur. Sie enthält Stearinsäure und Palmitinsäure als Hauptfettsäuren und macht die Seife kompakter, langlebiger und länger haltbar. In der Goldenen Stille spielt Kakaobutter eine zentrale Rolle — sie trägt zur reichen, fast luxuriösen Qualität dieser Seife bei, die sich von leichteren Varianten deutlich unterscheidet.

Kakaobutter hat auch unverseifbare Anteile, die in der Seife erhalten bleiben, und sie riecht — ganz leicht, kaum wahrnehmbar — nach Schokolade. Nicht im Duft der Seife, aber in der Rohware, während ich damit arbeite. Das ist einer der Momente in meiner Werkstatt, die ich einfach mag.

Avocadoöl — das zarte Pflegeöl

Avocadoöl (Persea Gratissima Oil) ist reich an Ölsäure, Vitamin E und Phytosterolen. Es zieht gut in die Haut ein, pflegt sanft und hinterlässt kein fettiges Gefühl. In mehreren meiner Rezepturen ergänzt es das Olivenöl als sekundäres Pflegeöl — dort, wo ich noch etwas mehr Geschmeidigkeit möchte, ohne den Charakter der Seife grundlegend zu verändern. Avocadoöl ist kein Hauptakteur, aber eine wertvolle Ergänzung, wenn die Rezeptur es verlangt.

Rindertalg — das Nicht-Vegane, das es wert ist

Rindertalg (Sodium Tallowate in der INCI) ist die einzige tierische Zutat in meiner Kollektion — abgesehen von Honig und Bienenwachs in Hafergold. Er kommt nur in dieser einen Seife vor, und das ist eine bewusste Entscheidung.

Rindertalg hat eine Fettsäurezusammensetzung, die der menschlichen Haut sehr ähnlich ist — was ihn für empfindliche Haut besonders gut verträglich macht. Er macht Seife hart, langlebig und erzeugt einen dichten, cremigen Schaum. In Kombination mit Honig und Hafermehl ergibt er eine Seife, die ich für die mildeste und nährendste meiner ganzen Kollektion halte.

Warum nicht vegan? Weil Hafergold für duftstofffreie, empfindliche Haut entwickelt wurde — und für diese spezifische Anforderung ist Rindertalg einfach die beste Zutat. Das sage ich ehrlich, ohne Umschweife. Die anderen neun Seifen in meiner Kollektion sind vollständig vegan.

Warum ich ohne Palmöl arbeite — und was es mich gekostet hat

Palmöl kommt in keiner meiner Seifen vor — weder RSPO-zertifiziert noch sonst. Das ist eine Grundsatzentscheidung, an der ich festhalte, seit ich mit der Entwicklung meiner Kollektion begonnen habe. Die Gründe sind bekannt: Palmölanbau ist mit Regenwaldzerstörung, Biodiversitätsverlust und sozialen Problemen in Südostasien verknüpft, und auch wenn es Zertifizierungssysteme gibt, zweifle ich an ihrer Verlässlichkeit im Großmaßstab. Wie konsequent das bei All Senses umgesetzt ist, beschreibe ich im Beitrag zur palmölfreien Seife.

Palmöl wäre technisch praktisch. Es gibt Härte, Stabilität und eine angenehme Schaumstruktur — Eigenschaften, die viele Seifenrezepturen nutzen. Ohne Palmöl zu arbeiten bedeutet, diese Eigenschaften durch andere Öle zu ersetzen, und das ist nicht trivial. Ich habe über 20 Testgüsse gebraucht, um Rezepturen zu entwickeln, die ohne Palmöl und ohne Palmkernöl die gleiche Qualität erreichen. Die Kombination aus Kokosöl für Schaum und Härte, Sheabutter und Kakaobutter für Stabilität und Konsistenz, Olivenöl für Milde und Rizinusöl für Schaumqualität — das war das Ergebnis von fünf Monaten Entwicklungsarbeit.

Ich verzichte auch bewusst auf Palmkernöl, das ähnliche Eigenschaften wie Kokosöl hat, aber ebenfalls ökologisch problematisch ist. Manche Seifenmacher ersetzen Palmöl durch Palmkernöl und nennen ihre Seifen trotzdem „palmölfrei". Das tue ich nicht. Palmöl und Palmkernöl kommen bei mir beide nicht vor.

Alle Seifen der All Senses Seifenmanufaktur in Wien sind palmölfrei, plastikfrei verpackt und CPNP-notifiziert nach EU-Kosmetikverordnung (VO 1223/2009). Die Notifikation bedeutet, dass jede Seife formal als Kosmetikprodukt im EU-Markt registriert ist — mit vollständiger Zutatendokumentation, Sicherheitsbewertung und Produktinformationsdatei.

Reifezeit: Warum mindestens sechs Wochen

Eine frisch gegossene Seife ist noch keine fertige Seife. Nach dem Guss dauert es zunächst 24–48 Stunden, bis die Verseifungsreaktion abgeschlossen ist — dieser Prozess heißt Saponifikation. Danach beginnt die eigentliche Reifezeit: Das Wasser verdunstet, die Seife wird härter, die Kristallstruktur der Seifenmoleküle verändert sich, und der pH-Wert sinkt auf ein hautverträgliches Niveau.

Ich halte mindestens sechs Wochen Reifezeit für alle meine Seifen ein. Olivenöllastige Rezepturen — und die meisten meiner Seifen sind olivenöllastig — profitieren von noch längerer Reifezeit. Eine gut gereifte Seife ist härter, langlebiger und milder als eine frische. Das ist kein Marketing-Versprechen, sondern Chemie.

Wer eine All Senses Seife kauft, bekommt eine Seife, die diese Zeit hatte. Das ist Teil meines Qualitätsanspruchs — und einer der Gründe, warum ich nicht in großen Mengen produziere.

Häufige Fragen zu Seifeninhaltsstoffen

Was ist Überfettung und wie hoch ist sie bei All Senses?

Überfettung (Superfat) bedeutet, dass ein definierter Anteil der Öle bewusst nicht verseift wird und als pflegender Film in der fertigen Seife verbleibt. Bei All Senses liegt die Überfettung je nach Seife zwischen 5 % und 12 % — Hafergold hat die höchste Überfettung, die meisten anderen liegen zwischen 5 % und 7 %. Für die Überfettung wähle ich gezielt Öle mit hohem unverseifbaren Anteil wie Sheabutter, Avocadoöl und Rizinusöl.

Warum ist Palmöl in Seife problematisch?

Palmöl ist mit der Zerstörung von Regenwäldern in Südostasien verknüpft. RSPO-Zertifizierungen existieren, aber ihre Verlässlichkeit wird zu Recht debattiert. Ich verzichte auf Palmöl und Palmkernöl — beide geben zwar Härte und Stabilität, sind aber ökologisch problematisch. Die Funktion von Palmöl wird in meinen Rezepturen durch Kokosöl, Sheabutter und Kakaobutter ersetzt — das hat über 20 Testgüsse und fünf Monate Entwicklungsarbeit gekostet, ist aber das Ergebnis, das ich vertreten kann.

Woher kommen die Öle bei All Senses?

Ich beziehe meine Öle aus geprüften Quellen in Europa, wo immer das sinnvoll ist — wie das steirische Kürbiskernöl in der Wacholderwald & Kürbiskern. Die genaue Herkunft jedes Öls ist Teil meiner Produktdokumentation, die für die CPNP-Notifikation nach EU-Kosmetikverordnung (VO 1223/2009) notwendig ist.

Was bedeutet „unverseifbar" bei Ölen?

Unverseifbare Anteile sind Bestandteile von Ölen, die nicht mit Lauge reagieren und daher in der fertigen Seife erhalten bleiben — z.B. Vitamine, Phytosterole, bestimmte Fettverbindungen. Sheabutter hat einen besonders hohen unverseifbaren Anteil von 7–11 %, was sie für Pflegeseifen besonders wertvoll macht. Diese Anteile bilden einen echten Pflegefilm auf der Haut.

Kann man auf Kokosöl in der Seife reagieren?

Kokosölallergien sind selten, aber möglich. In Seife ist Kokosöl verseift (Sodium Cocoate), was die Proteinstruktur verändert — Reaktionen auf verseiftes Kokosöl sind noch seltener. Wer empfindlich ist, sollte eine neue Seife zuerst an einer kleinen Hautstelle testen. Bei bekannter Kokosnussallergie empfehle ich eine Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt vor der Verwendung.

Warum braucht Naturseife eine Reifezeit von mindestens sechs Wochen?

Nach dem Guss ist die Verseifungsreaktion zwar abgeschlossen, aber das Wasser muss erst verdunsten — die Seife wird mit der Zeit härter, langlebiger und milder. Der pH-Wert sinkt auf ein hautverträgliches Niveau. Olivenöllastige Seifen wie die meisten All Senses Rezepturen profitieren besonders von langer Reifezeit. Alle meine Seifen werden mindestens sechs Wochen gereift, viele länger.

Weitere häufige Fragen zu Naturseife, Inhaltsstoffen und Pflege beantworte ich in der FAQ.

Alle All Senses Seifen wurden gemäß EU-Kosmetikverordnung (EG Nr. 1223/2009) durch eine unabhängige Sicherheitsbeurteilung geprüft und im europäischen CPNP-Portal notifiziert.

Beatrix Fodor-Kovács

Beatrix Fodor-Kovács

Seifensiederin & Gründerin, All Senses Seifenmanufaktur

20+ Testgüsse, 5 Monate Entwicklungsarbeit, EU-CPNP notifiziert April 2026

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