Zero Waste im Badezimmer bedeutet: den Plastikmüll, der beim täglichen Waschen, Pflegen und Reinigen entsteht, so weit wie möglich zu reduzieren — nicht durch Verzicht, sondern durch klügere Alternativen. Feste Naturseife ist dabei der einfachste und wirksamste erste Schritt.
Ich bin Beatrix Fodor-Kovacs, Gründerin der All Senses Seifenmanufaktur in Wien. In diesem Beitrag zeige ich dir, wie viel Plastik im Badezimmer wirklich anfällt, was in konventionellem Duschgel steckt — und warum ein Stück feste Seife wirkungsvoller ist, als es auf den ersten Blick aussieht. Realistisch, ohne Perfektionsanspruch.
Wie viel Plastikmüll entsteht im Badezimmer?
In einem durchschnittlichen österreichischen Haushalt stehen zwischen dreißig und fünfzig Kosmetikprodukte — die große Mehrheit in Plastikverpackung. Duschgel, Shampoo, Conditioner, Bodylotion, Gesichtswasser, Rasiergel, Deo, Zahnpasta, Wattestäbchen. Alles in Plastik.
Laut Statistik Austria und Berichten der Europäischen Umweltagentur zählt Kosmetikverpackung zu den am schlechtesten recycelten Plastikkategorien — weil Mehrschichtverbunde, Pumpen und bunte Beschichtungen das Recycling erschweren. Ein Großteil landet in der Verbrennungsanlage.
Ein 250-ml-Duschgel hält bei täglicher Nutzung etwa zwei bis vier Wochen. Pro Person und Jahr also zwölf bis vierundzwanzig Flaschen Duschgel allein. Auf ein ganzes Badezimmer hochgerechnet: Dutzende Plastikbehälter pro Jahr, die trotz gelber Tonne meist nicht wirklich recycelt werden.
Was steckt eigentlich im Duschgel? INCI-Analyse, Mikroplastik und Konservierungsstoffe
Wer zum ersten Mal die Inhaltsliste eines handelsüblichen Duschgels liest — die sogenannte INCI-Liste (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) —, ist oft überrascht, wie lang sie ist. Hinter klingenden Namen wie Sodium Laureth Sulfate, Cocamidopropyl Betaine oder Parfum verbergen sich synthetische Tenside, Schaumverstärker und Duftstoffgemische.
Besonders relevant für das Zero-Waste-Thema ist der Einsatz von Mikroplastik. Viele Duschgele und Peelings enthalten feste Kunststoffpartikel als Abrasiva — sie gelangen direkt durchs Abwasser in die Gewässer und lassen sich kaum herausfiltern. Die EU hat den Einsatz synthetischer Mikropartikel in Kosmetikprodukten seit 2023 schrittweise eingeschränkt, aber der Übergang braucht Zeit.
Hinzu kommen Konservierungsstoffe wie Parabene oder Phenoxyethanol, die dafür sorgen, dass das wasserbasierte Produkt nicht verdirbt. Handgemachte feste Seife braucht das nicht — sie ist von Natur aus wasserarm und damit kein gutes Milieu für Keimwachstum. Das ist kein Marketingversprechen, das ist Chemie.
Meine Seifen entstehen ausschließlich aus natürlichen Ölen und Fetten, Wasser und Natronlauge — die Lauge reagiert vollständig ab und ist im fertigen Produkt nicht mehr vorhanden (das nennt sich Verseifung). Das Ergebnis: eine schlichte INCI-Liste, die du lesen und verstehen kannst.
Feste Seife vs. Duschgel: Der Plastikfußabdruck im Vergleich
Ein 100-Gramm-Stück meiner handgemachten Naturseife ersetzt bei täglicher Nutzung ein bis zwei Flaschen Duschgel. Auf ein Jahr gerechnet: mindestens zwölf Plastikflaschen, die nicht produziert, nicht gefüllt, nicht transportiert und nicht entsorgt werden müssen — nur weil du ein Stück Seife statt einer Flasche verwendest.
Alle Seifen der All Senses Seifenmanufaktur sind plastikfrei verpackt: Papier, kein Cellophan, kein Plastiksiegel, kein Folienfenster, keine Klarsichtfolie. Die Verpackung kommt in die Papiertonne oder auf den Kompost. Das war von Anfang an nicht verhandelbar für mich.
Ein weiterer Unterschied, der weniger bekannt ist: Flüssiges Duschgel besteht zu 70–80 Prozent aus Wasser. Das heißt: Beim Transport einer Palette Duschgel bewegt man hauptsächlich Wasser in Plastik, durch halb Europa. Feste Seife ist konzentriert — man transportiert das eigentliche Produkt, nicht verdünntes Wasser. Der CO₂-Fußabdruck pro Nutzung ist messbar geringer.
Wie lange hält eine handgemachte Seife — und warum das beim Plastikfußabdruck zählt
Das ist eine der häufigsten Fragen, die ich bekomme. Die ehrliche Antwort: Es hängt davon ab, wie du die Seife lagerst.
Ein 100-Gramm-Stück feste Seife hält bei einer Person und täglicher Nutzung drei bis sechs Wochen — auf einer guten Seifenschale mit Ablauf deutlich länger als auf einem feuchten Untergrund. Meine Seifen durchlaufen nach dem Gießen eine Reifezeit von mindestens 6 Wochen. In dieser Zeit verdunstet überschüssiges Wasser, und das Seifenmolekül wird stabiler. Das Ergebnis: Die Seife ist härter, hält länger und löst sich nicht so schnell auf. Weniger Müll pro Nutzung — das zählt beim Gesamtvergleich.
Zum Vergleich: Ein 250-ml-Duschgel hält zwei bis vier Wochen. Ein 100-g-Seifenstück hält bei guter Pflege ähnlich lang — aber ohne Plastikflasche, ohne synthetische Tenside, ohne Konservierungsstoffe. Wenn man die Haltbarkeit pro Gramm Produkt vergleicht, schlägt feste Seife flüssiges Duschgel klar. Mehr zur richtigen Aufbewahrung erkläre ich im Beitrag über den Umstieg von Duschgel auf feste Seife.
Wichtig für die Haltbarkeit: Die Seife nach dem Benutzen immer trocknen lassen. Eine Seifenschale mit Rillen oder Ablauf ist kein Luxus, sondern die einfachste Methode, die Lebensdauer zu verlängern.
Palmölfrei — warum das einen Unterschied macht
Palmöl ist in der Seifenherstellung weit verbreitet, weil es Seife hart und langlebig macht und günstig ist. Das Problem: Der globale Palmölanbau gehört zu den Haupttreibern der Regenwaldzerstörung — in Indonesien, Malaysia und zunehmend auch in Afrika. Mit dem Regenwald verschwinden Lebensräume für Orang-Utans, Elefanten und Zehntausende andere Arten. Das ist kein abstraktes Problem, das betrifft die Biodiversität des ganzen Planeten.
Alle Seifen der All Senses Seifenmanufaktur sind palmölfrei. Ich verwende stattdessen andere, nachhaltig produzierte Pflanzenöle, die die gleiche Funktion erfüllen — aber ohne den ökologischen Preis. Das hat in der Rezepturentwicklung Zeit und viele Testgüsse gebraucht: Über 5 Monate Entwicklungszeit und mehr als 20 Testgüsse stecken in meinen Rezepturen, um Palmöl vollständig zu ersetzen und trotzdem eine Seife zu haben, die sich gut anfühlt, schäumt und lange hält.
Palmölfrei bedeutet bei mir nicht: schlechtere Seife. Es bedeutet: eine Seife, hinter der ich vollständig stehen kann.
Was „plastikfrei verpackt" wirklich bedeutet
Plastikfrei bedeutet: kein Kunststoff in der Verpackung. Papier, Karton, Naturmaterialien. Bei meinen Seifen: Papier und Etikett. Fertig. Ohne Cellophan, ohne Plastikfolie, ohne diesen kleinen unsichtbaren Klebestreifen aus Plastik, den viele Verpackungen noch haben.
Was „kompostierbar" bedeutet, ist etwas komplizierter: Manche Materialien sind industriell kompostierbar — sie benötigen bestimmte Temperaturen und Bedingungen, die nur in industriellen Kompostieranlagen erreicht werden, aber nicht im Komposthaufen zu Hause. Das ist ein wichtiger Unterschied, den Hersteller manchmal ungenau kommunizieren. Papier ist zu Hause kompostierbar. Die meisten „kompostierbaren Biokunststoffe" sind es nicht.
Meine Verpackung ist klar: Papier. In die Papiertonne oder auf den Heimkompost.
CPNP und EU-Kosmetikverordnung: Was das für dich bedeutet
Alle Seifen der All Senses Seifenmanufaktur sind CPNP-notifiziert — das steht für Cosmetic Products Notification Portal und ist die offizielle Notifizierungspflicht nach EU-Kosmetikverordnung (VO 1223/2009). Das bedeutet konkret: Jedes Produkt wurde von einer verantwortlichen Person geprüft, eine Produktinformationsdatei wurde erstellt, und das Produkt ist im europäischen Notifizierungsportal registriert.
Das ist keine Selbstverständlichkeit bei handgemachter Seife. Viele kleine Hersteller auf Märkten verkaufen Seifen ohne diese Notifizierung — was rechtlich problematisch ist und bedeutet, dass keine unabhängige Sicherheitsprüfung vorliegt. Bei meinen Seifen liegt sie vor. Das ist mir wichtig — nicht als Marketing-Versprechen, sondern weil ich weiß, was in meinen Seifen steckt, und ich das auch belegen kann.
Was du im Badezimmer noch tauschen kannst — mit Vor- und Nachteilen
Feste Seife statt Duschgel ist der einfachste Einstieg. Wenn du weitermachen möchtest, gibt es ein paar weitere sinnvolle Tausche — hier ehrlich, mit Vor- und Nachteilen:
Festes Shampoo statt Flasche
Vorteil: kein Plastik, lang haltend, oft hochkonzentriert. Nachteil: Die Umstellungsphase für die Haare kann länger dauern als bei der Haut. Wer feines oder gefärbtes Haar hat, sollte sorgfältig wählen und dem Haar zwei bis vier Wochen Eingewöhnung geben.
Metallrasierhobel statt Einwegrasierer
Vorteil: hält Jahre, nur die Klinge muss getauscht werden — und die ist aus Stahl und gut recycelbar. Nachteil: höhere Anfangsinvestition, etwas andere Technik als der Einwegrasierer. Wer sich Zeit nimmt, einzuüben, wird schnell überzeugt sein.
Wattepads aus Stoff statt Einweg
Vorteil: waschbar, haltbar, langfristig günstiger. Nachteil: erfordert das Waschen — extra Wäsche, die Wasser und Energie verbraucht. Trotzdem deutlich besser als Einwegplastik.
Zahnputztabletten statt Zahnpastatube
Vorteil: keine Tube, kein Plastik, gut dosierbar. Nachteil: Nicht jede Zusammensetzung überzeugt, die Auswahl ist noch begrenzt. Für empfindliche Zähne oder Spezialanforderungen sorgfältig vergleichen.
Deo-Creme im Glastiegel
Vorteil: Glas ist gut recycelbar, Naturzutaten. Nachteil: Kann bei empfindlicher Haut unter den Achseln reizen, kostet etwas Eingewöhnungszeit. Nicht jede Naturdeocreme funktioniert für jeden Körper gleich gut.
Meine Empfehlung: Nicht alles auf einmal. Ein Stück feste Seife statt Duschgel ist der einfachste Start — und dort braucht es keine Umstellung, keine Eingewöhnungsphase, keine neuen Techniken. Einfach ausprobieren.
Schritt für Schritt: So stellst du dein Badezimmer plastikfrei um
Ich höre oft: „Ich will das machen, aber ich weiß nicht, wo ich anfangen soll." Die Antwort ist wirklich einfach — und ich meine das so direkt, wie es klingt:
Schritt 1: Verwende auf, was du noch hast. Kein Produkt wegschmeißen, nur weil du auf Zero Waste umsteigen willst. Das wäre Verschwendung. Aufbrauchen, dann ersetzen.
Schritt 2: Ersetze das Duschgel als erstes. Das ist das Produkt, das die meisten Menschen am häufigsten kaufen und das am meisten Plastik produziert. Ein Stück feste Naturseife, eine gute Seifenschale — das war's.
Schritt 3: Schau, was als nächstes leer wird. Wenn die Shampoo-Flasche leer ist, überleg, ob du ein festes Shampoo ausprobieren möchtest. Wenn die Zahnpasta-Tube leer ist, schau dir Zahnputztabletten an. Einen Schritt nach dem anderen.
Schritt 4: Kaufe bewusst nach. Wenn du etwas nachkaufst, schau kurz auf Verpackung und Inhaltsstoffe. Das muss keine stundenlange Recherche sein — ein kurzer Blick auf die INCI-Liste reicht oft schon.
Schritt 5: Perfektion ist nicht das Ziel. Zero Waste heißt nicht null Müll. Es heißt: weniger Müll, bewusstere Entscheidungen. Jedes Stück Seife statt einer Plastikflasche ist ein echter Unterschied.
Nachhaltigkeit ohne Moral
Ich erzähle dir das nicht, um dir ein schlechtes Gewissen zu machen. Das ist wirklich nicht der Punkt. Nachhaltigkeit beginnt nicht mit Perfektion — sie beginnt mit einem ersten Schritt. Ein Stück feste Seife statt einer Plastikflasche Duschgel ist ein erster Schritt. Mehr nicht. Aber er zählt.
Alle Seifen der All Senses Seifenmanufaktur in Wien sind plastikfrei in Papier verpackt, ohne Cellophan, ohne Plastikfolie — palmölfrei und CPNP-notifiziert nach EU-Kosmetikverordnung (VO 1223/2009). Handgemacht, direkt aus Wien zu dir, ohne Zwischenhändler, ohne Lager. Mit mindestens 6 Wochen Reifezeit, damit du ein Produkt bekommst, das wirklich lange hält. Wenn du Fragen zur Nachhaltigkeit meiner Seifen hast, findest du weitere Antworten in der FAQ.
Häufige Fragen zu Zero Waste im Badezimmer
Ist feste Seife hygienischer als flüssige Seife?
Gut trocknende feste Seife bietet durch ihren hohen pH-Wert und geringen Wassergehalt eine natürliche keimhemmende Umgebung. Studien belegen, dass auf trocknender Seife kein bedenkliches Keimwachstum stattfindet. Wichtig: Die Seife nach jedem Benutzen trocknen lassen — auf einer Seifenschale mit Ablauf.
Kann man Seifenreste noch nutzen?
Ja. Seifenreste lassen sich gut zusammenpressen, wenn man das letzte Stück etwas aufweicht und an ein neues Stück drückt. Alternativ: Reste sammeln, einschmelzen und neue Seife gießen — oder als Seifenspäne für selbst hergestellte Haushaltsreiniger verwenden.
Wie lange hält ein 100-Gramm-Stück feste Seife?
Bei einer Person und täglicher Nutzung drei bis sechs Wochen — je nach Nutzung und Trockenbedingungen. Auf einer guten Seifenschale mit Ablauf deutlich länger als auf einem feuchten Untergrund. Meine Seifen reifen mindestens 6 Wochen, bevor sie in den Verkauf kommen — das macht sie härter und langlebiger als frische Seifen.
Ist Naturseife biologisch abbaubar?
Handgemachte Naturseife aus natürlichen Ölen und Fetten ist biologisch abbaubar — die Inhaltsstoffe werden in der Umwelt durch Mikroorganismen abgebaut. Das gilt für Seifen ohne synthetische Tenside, Silikone oder PEGs. Alle Seifen der All Senses Seifenmanufaktur erfüllen diese Voraussetzung.
Wie entsorge ich die Seifenverpackung von All Senses?
Die Verpackung besteht aus Papier — sie kommt in die Papiertonne oder kann zu Hause kompostiert werden. Kein Plastik, keine gemischten Materialien, keine Beschichtung, die das Recycling verhindert.
Warum sind die All Senses Seifen palmölfrei?
Der globale Palmölanbau gehört zu den Haupttreibern der Regenwaldzerstörung in Indonesien und Malaysia. Ich habe über 5 Monate und mehr als 20 Testgüsse gebraucht, um Rezepturen zu entwickeln, die palmölfrei sind und trotzdem eine Seife ergeben, die gut schäumt, die Haut pflegt und lange hält. Palmölfrei war für mich von Anfang an nicht verhandelbar.
Was bedeutet CPNP-notifiziert?
CPNP steht für Cosmetic Products Notification Portal — das ist die offizielle Notifizierungspflicht nach EU-Kosmetikverordnung (VO 1223/2009). Alle Produkte der All Senses Seifenmanufaktur sind dort registriert und wurden sicherheitstechnisch geprüft. Das unterscheidet professionell hergestellte Seifen von nicht notifizierten Produkten.