Was in industrieller Seife steckt
Industrielle Seife wird maschinell in riesigen Mengen hergestellt. Die Rohstoffe werden im Heißverfahren verseift — schnell, effizient, günstig. Was dabei als Nebenprodukt entsteht — das wertvolle Glycerin — wird herausgelöst und separat verkauft, zum Beispiel an die Pharma- oder Kosmetikindustrie. Was übrig bleibt, ist eine gereinigte, aber trockene Seifenbasis.
Dazu kommen oft synthetische Tenside wie SLS oder SLES, die stark schäumen, aber die Haut austrocknen können. Künstliche Duftstoffe, Farbstoffe, Konservierungsmittel, Parabene, Mikroplastik — die Zutatenliste auf einer Industrieseife liest sich manchmal wie ein Chemielabor. Und dann ist da noch das Palmöl: günstig, ergiebig, aber ökologisch problematisch.
Was in handgemachter Naturseife steckt
Handgemachte Naturseife entsteht durch Kaltverseifung — ein langsames Verfahren, bei dem pflanzliche Öle und Fette bei niedrigen Temperaturen mit Lauge reagieren. Was dabei passiert, ist einfache Chemie: Öl plus Lauge ergibt Seife plus Glycerin. Und genau dieses Glycerin bleibt in der Seife — es zieht Feuchtigkeit an und macht die Seife spürbar pflegender.
In meiner Seifenmanufaktur in Wien verwende ich ausschließlich natürliche Zutaten: Olivenöl, Kokosöl, Sheabutter, Rizinusöl, steirisches Kürbiskernöl — je nach Rezeptur. Die Düfte kommen aus naturreinen ätherischen Ölen, die Farben aus Tonerde, Kurkuma, Aktivkohle oder Pflanzenpulvern. Keine synthetischen Zusätze. Kein Palmöl.
Glycerin — der unsichtbare Unterschied
Glycerin ist der Grund, warum sich Naturseife auf der Haut anders anfühlt als Industrieseife. Es ist ein natürlicher Feuchtigkeitsbinder — es zieht Wasser aus der Luft an und hält die Haut geschmeidig. In industrieller Seife fehlt es, weil es herausgelöst wurde. In kalt gerührter Naturseife ist es vollständig enthalten. Das klingt nach einem kleinen Detail, aber deine Haut merkt den Unterschied.
Was Überfettung bedeutet
Bei der Kaltverseifung wird bewusst mehr Öl verwendet, als die Lauge verseifen kann. Dieses „überschüssige" Öl bleibt als pflegender Film in der Seife — das nennt man Überfettung oder Rückfettung. Je höher die Überfettung, desto milder und pflegender die Seife. Meine Seifen haben je nach Rezeptur eine Überfettung zwischen 5% und 12%. Industrieseife hat in der Regel keine oder eine minimale Überfettung — das Ziel dort ist Reinigung, nicht Pflege.
Warum handgemachte Seife mehr kostet
In einem Stück Naturseife stecken hochwertige Rohstoffe, die ich einzeln auswähle. Dazu kommt der Zeitaufwand: Ich rühre jede Charge selbst, gieße sie von Hand in die Form, schneide jedes Stück einzeln — und dann reift die Seife mindestens sechs Wochen, bevor sie in den Shop kommt. Dazu kommen die Sicherheitsbewertung für jede Rezeptur, die plastikfreie Verpackung, und der Umstand, dass ich alles allein mache. Ein industrielles Stück Seife wird in Sekunden aus günstigen Rohstoffen gepresst. Das sind zwei komplett verschiedene Produkte.
Was du beim Umstieg beachten solltest
Wenn du von Duschgel oder industrieller Seife auf Naturseife umsteigst, kann es sein, dass sich deine Haut in den ersten Tagen etwas anders anfühlt. Das liegt daran, dass Naturseife keine Silikone oder synthetischen Rückstände hinterlässt, die sich wie ein Film auf die Haut legen. Nach ein bis zwei Wochen hat sich die Haut umgestellt — und die meisten Menschen berichten, dass sie sich weniger trocken und weniger gespannt anfühlt als vorher.
Für den Einstieg empfehle ich eine milde, höher überfettete Seife. Hafergold ist komplett duftstofffrei und mit Hafer und Honig besonders sanft — ideal für empfindliche Haut und für alle, die Naturseife zum ersten Mal ausprobieren. Wer lieber mit einem Duft einsteigt, ist mit Lavendellicht gut beraten — klassisch, beruhigend und einfach zu mögen.
Was die INCI-Liste verrät
INCI steht für „International Nomenclature of Cosmetic Ingredients" — das ist die genormte Bezeichnung für alle Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten. Die INCI-Liste auf einer Naturseife liest sich anders als die auf einer Industrieseife. Beim Kaltverseifungsverfahren heißen die Öle nach der Verseifung anders: Olivenöl wird zu „Sodium Olivate", Kokosöl zu „Sodium Cocoate". Das klingt zunächst chemisch, ist aber der verseiften Form des natürlichen Öls.
Ich lese INCI-Listen seit mehr als zehn Jahren. Ich weiß, welche Ingredienzien harmlos sind und welche ich lieber meide. Das hat dazu geführt, dass ich inzwischen für meinen eigenen Gebrauch kaum noch ein Produkt kaufe, dessen Inhaltsliste mich nicht überzeugt. Und es ist der Hauptgrund, warum ich angefangen habe, meine Seifen selbst herzustellen.
Palmöl — warum meine Seifen darauf verzichten
Palmöl ist in fast jeder günstigen Seife enthalten — es macht die Seife hart, günstig und schaumd. Das Problem ist die Herstellung: der Anbau von Palmöl ist einer der Haupttreiber der Regenwaldabholzung in Südostasien. Zertifiziertes nachhaltiges Palmöl (RSPO) gibt es zwar, ist aber schwer zu kontrollieren.
Ich habe mich entschieden, komplett auf Palmöl zu verzichten — nicht weil ich anderen etwas vorschreiben will, sondern weil ich in meinen Rezepturen keinen Bedarf daran habe. Die Kombination aus Kokosöl, Sheabutter und festen Kakaobutterfetten gibt meinen Seifen genug Stabilität, ohne Palmöl zu brauchen. Alle meine Seifen sind palmölfrei — von Erde & Rauch mit Weihrauch und Tonerde bis hin zur alpinen Zirbenluft.
Seit über zehn Jahren beschäftige ich mich damit, was in Kosmetik steckt und was unsere Haut täglich aufnimmt. Heute rühre ich meine eigene Seife — und ich weiß bei jedem einzelnen Stück genau, was drin ist. Das ist für mich der eigentliche Unterschied: nicht der Preis, sondern die Ehrlichkeit.
Noch mehr zum Thema? In meinen häufigen Fragen findest du Antworten zu Überfettung, pH-Wert, Lagerung und Inhaltsstoffen. Und wenn du wissen willst, wie du Naturseife richtig lagerst, damit sie lange hält — dazu habe ich auch einen Beitrag geschrieben.


